Das Gefühlsrad: Gefühle genauer benennen
„Wie geht’s dir?“ – „Irgendwie schlecht.“ Wer genauer sagen kann, was er fühlt, ist seinen Gefühlen weniger ausgeliefert. Das Gefühlsrad hilft dabei, das passende Wort zu finden.
von Dr. Benjamin Förster · Psychologe, Coach und Dozent
Stand: 25.10.2026
Viele Menschen kennen für ihr Innenleben drei Wörter: gut, schlecht und gestresst. Das ist ungefähr so, als würde man einen Sonnenuntergang mit „hell“ beschreiben. Es stimmt – aber es fehlt das meiste.
Ein Gefühlsrad ist eine kreisförmige Übersicht, die große Gefühlsfamilien in der Mitte mit feineren Gefühlswörtern außen verbindet. Bekannte Vorbilder sind das Emotionsmodell des Psychologen Robert Plutchik und das Feeling Wheel von Gloria Willcox. Die Idee ist einfach: Du beginnst innen beim groben Gefühl und wanderst nach außen zum genauen Wort.
Warum genaue Gefühlswörter helfen
Wer ein Gefühl benennen kann, ist ihm weniger ausgeliefert. Studien zum sogenannten Affekt-Labeling zeigen, dass schon das Benennen eines Gefühls das Stresssystem ein wenig beruhigen kann. Und es hat einen zweiten Vorteil: Genaue Gefühle führen zu genauen Bedürfnissen. „Schlecht“ sagt dir nicht, was du brauchst. „Enttäuscht“, „überfordert“ oder „einsam“ schon eher.
Die Methode in drei Schritten
- Innen beginnen: Welche große Gefühlsfamilie ist gerade da – Freude, Angst, Wut, Trauer …? Wenn du unsicher bist: Fühlt es sich eher angenehm oder unangenehm an?
- Nach außen wandern: Welches der genaueren Wörter trifft es am besten? Oft passen zwei. Mischgefühle sind völlig normal.
- Nachfragen: Was sagt mir dieses Gefühl? Was brauche ich jetzt?
Ideen für den Einsatz
- Familie: Abendrunde – jede Person zeigt auf ihr Gefühl des Tages.
- Klassenzimmer: Zum Stundenbeginn eine Klammer an das passende Gefühl setzen.
- Coaching und Beratung: Gefühle zu einer Situation damals und heute vergleichen.
- Journal: Täglich ein Wort aus dem äußeren Ring notieren. Nach einem Monat entsteht ein Gefühlsmuster.
Gefühlsrad für Kinder
Kinder brauchen weniger Wörter, dafür mehr Bilder. Für Kinder eignen sich einfache Gefühlsfamilien (froh, traurig, wütend, ängstlich, ruhig) und Fragen wie „Wo im Körper spürst du das?“. Wer mehr braucht als ein Poster, findet ausführliche Karten mit Körpersignalen und Fragen in den Gefühlskarten für Kinder.
KostenlosDas Gefühlsrad als PosterPoster (A4), Anleitung, ein leeres Rad zum Selbstgestalten und ein Übungsblatt – kostenlos zum Ausdrucken.
Häufige Fragen
Ist das Gefühlsrad ein Test?
Nein. Das Gefühlsrad ist ein Werkzeug zur Selbstreflexion, kein Diagnoseinstrument. Es gibt kein richtig oder falsch – nur ein passendes oder weniger passendes Wort.
Wie viele Gefühle gibt es eigentlich?
Je nach Modell unterscheidet die Psychologie einige wenige Grundgefühle und sehr viele feinere Mischungen. Für den Alltag ist nicht die Zahl entscheidend, sondern dass du für dich ein paar Wörter mehr zur Verfügung hast als „gut“ und „schlecht“.
Bei anhaltender Hoffnungslosigkeit oder in Krisen bitte professionelle Hilfe hinzuziehen, z. B. TelefonSeelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenfrei, rund um die Uhr), im Notfall 112.



