Die eigenen Werte finden
Wer seine Werte kennt, trifft Entscheidungen leichter, sagt klarer Nein und versteht besser, warum manche Situationen so viel Kraft kosten. Die gute Nachricht: Werte muss man nicht erfinden – nur entdecken.
von Dr. Benjamin Förster · Psychologe, Coach und Dozent
Stand: 3.11.2026
Werte sind das, was uns im Leben wirklich wichtig ist: Ehrlichkeit, Freiheit, Verbundenheit, Sicherheit, Gerechtigkeit, Kreativität … Sie wirken wie ein innerer Kompass. Meist bemerken wir sie erst, wenn jemand gegen sie verstößt – dann ärgern wir uns, fühlen uns ungerecht behandelt oder haben ein schlechtes Gewissen.
Werte sind keine Ziele. Ein Ziel kann man erreichen und abhaken. Einen Wert lebt man – oder eben nicht. „Ein Haus bauen“ ist ein Ziel. „Sicherheit“ oder „Geborgenheit“ ist vielleicht der Wert dahinter.
Warum es sich lohnt, die eigenen Werte zu kennen
- Entscheidungen: Wer weiß, was ihm wichtig ist, kann Optionen daran messen.
- Grenzen: Ein klares Nein fällt leichter, wenn man weiß, wofür man Ja sagt.
- Erschöpfung verstehen: Dauerhafter Stress entsteht oft dort, wo wir gegen unsere Werte leben – etwa wenn Gründlichkeit wichtig ist, der Job aber nur Tempo belohnt.
- Beziehungen: Viele Konflikte sind eigentlich Wertekonflikte. Wer das erkennt, streitet anders.
Die Werte-Übung in drei Runden
- Sammeln: Geh eine Werteliste oder ein Set Wertekarten durch und lege alle Werte beiseite, die dich ansprechen. Nicht lange überlegen – das Bauchgefühl zählt.
- Auswählen: Reduziere auf etwa zehn Werte. Das ist schwerer, als es klingt. Frag dich bei jedem: Könnte ich darauf verzichten, ohne dass mir etwas Wesentliches fehlt?
- Verdichten: Wähle deine drei bis fünf wichtigsten Werte. Schreib zu jedem einen Satz: „Das bedeutet für mich …“ – denn „Freiheit“ heißt für jeden etwas anderes.
Der Werte-Check für den Alltag
Wenn du deine wichtigsten Werte kennst, kannst du prüfen, wie viel Platz sie gerade in deinem Leben haben. Gib jedem Wert eine Zahl von 0 (gar nicht gelebt) bis 10 (voll gelebt). Wo die Lücke groß ist, lohnt sich die Frage: Was wäre ein kleiner Schritt, um diesem Wert diese Woche ein bisschen mehr Raum zu geben?
Spannend sind auch Wertekonflikte: Zwei Werte, die beide wichtig sind, ziehen in verschiedene Richtungen – etwa Freiheit und Sicherheit oder Harmonie und Ehrlichkeit. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch, sondern nur ein bewusstes Abwägen.
Werte mit Kindern entdecken
Auch Kinder haben Werte – sie nennen sie nur anders. Statt nach „Werten“ fragt man besser: „Was ist dir wichtig?“, „Wann findest du etwas ungerecht?“ oder „Was macht einen guten Freund aus?“ Bildkarten mit einfachen Begriffen wie Freundschaft, Mut oder Ehrlichkeit helfen beim Gespräch, etwa in der Klasse oder am Küchentisch. Dafür gibt es die Wertekarten für Kinder.
KartensetWertekarten48 Werte zum Entdecken, Ordnen und Besprechen – mit Anleitung und Übungen für dich allein, für Paare, Teams und das Coaching.
Häufige Fragen
Verändern sich Werte im Laufe des Lebens?
Ja, teilweise. Manche Werte bleiben sehr stabil, andere verschieben sich mit Lebensphasen – etwa nach der Geburt eines Kindes, einer Krankheit oder einem Jobwechsel. Darum lohnt es sich, die Übung alle paar Jahre zu wiederholen.
Was ist der Unterschied zwischen Werten und Bedürfnissen?
Bedürfnisse sind das, was wir brauchen, um uns wohlzufühlen – zum Beispiel Ruhe, Nähe oder Anerkennung. Werte sind das, wofür wir stehen wollen. Beide hängen eng zusammen. Mehr dazu im Artikel Gefühle und Bedürfnisse.



