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Coaching & Beratung

Systemische Fragen: Fragetypen und Beispiele für Coaching und Beratung

Eine gute Frage kann mehr bewegen als zehn gute Ratschläge. Systemische Fragen laden dazu ein, ein Problem aus einem neuen Blickwinkel zu sehen – und dabei selbst auf Lösungen zu kommen.

von Dr. Benjamin Förster · Psychologe, Coach und Dozent
Stand: 25.10.2026

Im systemischen Coaching gilt: Die Klientin, der Klient ist Expertin bzw. Experte für das eigene Leben. Der Coach liefert keine Lösungen, sondern Fragen, die neue Perspektiven öffnen. Klingt einfach. Ist es auch – bis man in der Sitzung sitzt und einem nur „Und wie fühlt sich das an?“ einfällt.

Hier sind die wichtigsten systemischen Fragetypen mit Beispielen, die du direkt verwenden kannst.

1. Zirkuläre Fragen

Sie laden ein, die eigene Situation aus der Sicht anderer zu betrachten. Dadurch werden Beziehungen und Wechselwirkungen sichtbar.

  • „Was würde Ihre Kollegin sagen, wie Sie in solchen Momenten wirken?“
  • „Wer in Ihrer Familie würde als Erstes bemerken, dass es Ihnen besser geht?“
  • „Wenn Ihr Partner hier säße – was würde er für das eigentliche Problem halten?“

2. Skalierungsfragen

Sie machen Unterschiede messbar und kleine Fortschritte sichtbar.

  • „Auf einer Skala von 0 bis 10: Wo stehen Sie heute?“
  • „Was müsste passieren, damit Sie einen Punkt weiter oben stehen?“
  • „Warum sind Sie bei 4 und nicht bei 2?“ – eine erstaunlich ergiebige Frage nach Ressourcen.

3. Die Wunderfrage

Sie stammt aus der lösungsfokussierten Kurzzeittherapie nach Steve de Shazer und Insoo Kim Berg und richtet den Blick auf das Ziel statt auf das Problem.

  • „Angenommen, heute Nacht geschieht ein Wunder und Ihr Problem ist gelöst. Sie wissen es aber nicht, weil Sie schlafen. Woran merken Sie morgen früh als Erstes, dass das Wunder passiert ist?“

4. Ausnahmefragen

Kein Problem ist immer gleich stark. Ausnahmen zeigen, was schon funktioniert.

  • „Wann war das Problem zuletzt etwas kleiner? Was war da anders?“
  • „Was haben Sie in dieser Situation getan, das geholfen hat?“

5. Hypothetische Fragen

„Was wäre, wenn …“-Fragen erlauben ein Probehandeln im Kopf.

  • „Was wäre, wenn Sie es einfach ein Mal anders machen würden?“
  • „Angenommen, Sie würden sich entscheiden – was wäre der erste kleine Schritt?“

6. Ressourcenfragen

  • „Was hat Ihnen in früheren schwierigen Zeiten geholfen?“
  • „Was würden Ihre Freunde sagen, was Sie besonders gut können?“

7. Paradoxe Fragen und Verschlimmerungsfragen

Mit einem Augenzwinkern gestellt, lockern sie festgefahrene Situationen und zeigen, wie viel Einfluss man eigentlich hat.

  • „Was müssten Sie tun, damit es garantiert schlimmer wird?“
  • „Wofür ist das Problem vielleicht auch gut?“
Elefanten-TippStell lieber eine gute Frage und warte die Stille aus, als drei Fragen hintereinander. Die Antwort entsteht oft genau in der Pause.

Der Einstieg in die Sitzung

Gerade der Anfang einer Sitzung setzt den Ton. Statt „Was führt Sie zu mir?“ kann eine überraschende Einstiegsfrage Leichtigkeit und Neugier schaffen, etwa: „Was ist seit unserem letzten Termin besser geworden – und sei es nur ein bisschen?“ Eine Sammlung von 56 solcher Türöffner-Fragen, auch mit humorvollen Varianten, findest du im Set Türöffner.

Systemische Fragen als Karten

Viele Coaches arbeiten mit Fragekarten: Die Klientin zieht eine Karte oder wählt bewusst aus. Das nimmt Druck aus dem Gespräch und macht die Methode sichtbar. Die Systemischen Fragekarten enthalten 48 Fragen aus den hier beschriebenen Kategorien – zum Ausdrucken für die eigene Praxis.

Dr. Benjamin Förster bildet seit Jahren systemische Coaches aus. Die Fragen in diesem Artikel sind Beispiele aus der Praxis und lassen sich je nach Kontext duzen oder siezen.

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